MOBILITÄT

Die Kreisstadt Hofheim am Taunus hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu einer autogerechten Stadt entwickelt. Durch das Festhalten an dem absurden Projekt der Bundesstraße 519 neu (B 519 neu) nahmen sich die Mehrheitsparteien jegliche Form der Gestaltung und es wurde jahrzehntelang keine konstruktive Verkehrsentwicklung betrieben.

Die Kreisstadt Hofheim am Taunus muss im eigenen Interesse bei den übergeordneten Behörden auf ein Ende des Projektes B 519 neu hinarbeiten. In Gesprächen mit Land und Bund sollte stattdessen ein Umbau der bestehenden Ortsdurchfahrt mit den Zielen Verkehrsverlagerung, zum Beispiel auf die parallel verlaufende Autobahn, Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, attraktive Straßenraumumgestaltung und Sicherheit für Anwohnende und alle Verkehrsteilnehmer, insbesondere jedoch für Fußgänger und Radfahrer erreicht werden. Dabei sollte ein Umbau großer Ampelkreuzungen in Verkehrskreisel geprüft werden. Die wegweisende Beschilderung im überörtlichen Straßennetz rund um Hofheim muss dahingehend optimiert werden, dass Durchgangsverkehr nicht unnötig durch Siedlungsgebiete geführt wird, sondern möglichst die vorhandene Hofheimer Ortsumgehung, die A66, genutzt wird.

Chancen, durch gezielte Förderung nachhaltiger Mobilität die Lebensqualität in unserer dicht besiedelten Region zu verbessern, blieben dadurch ungenutzt. Der Trend hin zu einer umweltverträglicheren Verkehrsmittelnutzung, unter anderem in Verbindung mit Carsharing und der vermehrten Nutzung von Fahrrädern, auch mit elektrischer Unterstützung, wurde bislang außer Acht gelassen.

Die Belange aller Verkehrsteilnehmer müssen in der zeitgemäßen Verkehrsplanung stärker berücksichtigt werden. Unter anderem sind die fahrradbezogenen Maßnahmen des schon vor Jahren beschlossenen Verkehrsentwicklungsplanes endlich auszuführen.

Die Umsetzung des schon fertigen Beschilderungskonzepts der Radverkehrsverbindungen in Hofheim und allen Stadtteilen und die Anlage von Fahrradstreifen oder Schutzstreifen auf allen klassifizierten Straßen im gesamten Stadtgebiet müssen erfolgen. Die weitere Freigabe von Einbahnstraßen für Fahrräder in Gegenrichtung sowie die Einrichtung einer Ladestation für Elektrofahrräder im Stadtzentrum, dezentrale und sichere Fahrradabstellanlagen in der Innenstadt und den Stadtteilen und abschließbare Fahrradboxen am Hofheimer Bahnhof sind weitere wichtige Maßnahmen einer zeitgemäßen Radverkehrsförderung. Außerdem braucht die Kreisstadt Hofheim am Taunus einen kommunalen Radverkehrsbeauftragten, der eine aktive Radverkehrsförderung betreibt und auch auf regionaler Ebene sich mit den anderen Kommunen vernetzt, denn Radverkehrsförderung endet nicht an der Gemarkungsgrenze.

Wir GRÜNE wollen, dass die Stadt Hofheim der Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH) beitritt. In diesem Rahmen können Kommunen Erfahrungen teilen sowie Beispiele und Ideen austauschen, um den Rad- und Fußverkehr zu fördern und die Barrierefreiheit für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen voranzubringen.

Eine kommunale Arbeitsgruppe »Umweltverträgliche Mobilität« soll zukünftig die Interessen der verschiedenen Mobilitätsgruppen in Hofheim diskutieren und für eine Umsetzung vorbereiten. Neben Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung sollen sich hier die jeweiligen Verbände wie Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e. V. (ADFC) und Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS e. V.) und interessierte Bürgerinnen und Bürger einbringen können.

Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und aus Gründen des Lärmschutzes fordern wir die Einführung von Tempo 30 auf möglichst vielen Straßen in Hofheim sowie eine Intensivierung der Verkehrsüberwachung, vor allem an kritischen Stellen.

Mit dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Kreisstadt Hofheim am Taunus, die Planungen für den barrierefreien Umbau des Bahnhofs Lorsbach nicht weiter zu verfolgen und für die Realisierung dieses wichtigen Projektes keine Finanzmittel mehr zur Verfügung zu stellen, wurde im Bereich der Inklusion und Barrierefreiheit ein Schritt in die falsche Richtung gegangen. GRÜNE fordern weiterhin einen barrierefreien Zugang zum Lorsbacher Bahnhof.

Die Buslinien in Hofheim müssen erhalten und punktuell auch qualitativ verbessert werden. In Gesprächen mit der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV) soll sich die Stadt Hofheim für die Einrichtung von Schnellbussen auf der Linie Königstein–Hofheim–Wiesbaden einsetzen.

Hofheim am Taunus braucht ein Mobilitätskonzept für die Stadtverwaltung. Allgemein benötigen wir ein generelles Umdenken im Bereich Mobilität: neue Formen der E-Mobilität, Verkehrsvermeidung und Sammelverkehre, auch im Bereich der Lieferfahrten, und eine Koordination der Mobilitätsbedürfnisse einer sich demografisch wandelnden Gesellschaft.